Christoph Püchel

Gitarren

Emotional E-Gitarre BW

E-Gitarren

Die E-Gitarre ist das wichtigste Instrument der Populärmusik - Punkt.

Es gibt kaum ein Instrument, dass so unterschiedlich gespielt werden und klingen kann. Interessant ist, dass sich bei den meisten anderen Instrumenten im Laufe von Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten bestimmte Bau- und Konstruktionsweisen als die besten und sinnvollsten herausgestellt und etabliert haben. Bei der Entwicklung der E-Gitarre geschah dies innerhalb eines guten Jahrzehnts, nämlich hauptsächlich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Detailverbesserungen späterer Jahre haben keinen wirklichen Einfluss mehr auf das eigentliche Instrument gehabt.

Meine Vorliebe lag zunächst ganz klar bei Fender. Von meinem ersten richtigen Gehalt nach meiner Lehre kaufte ich mir sofort eine Fender Telecaster "Made in U.S.A.". Auch wenn ich in der folgenden Zeit Gitarren anderer Hersteller spielte, so handelte es sich praktisch immer um Instrumente, die sich auf die Konzepte von Leo Fender zurückführen ließen. Und daher spielte ich praktisch auch nur Gitarren mit Singlecoil Tonabnehmern.

Mit der Zeit änderte sich aber meine Spielweise und mein Geschmack, was einen Wechsel zur ES-335 zur Folge hatte. Später kam noch eine Les Paul als Ergänzung dazu, die ich derzeit als mein Hauptinstrument bezeichnen würde. Das ist insofern interessant, da mein eigentliches Lieblingsmodell die Telecaster geblieben ist.

Gibson ES-335

Gibson ES-335 Reissue

Die ES-335 ist eine richtige Gitarre. Das heißt, dass man ganz schön was vor dem Bauch zu hängen hat. Dieser Gitarrentyp ist sehr vielseitig und man sollte die ES-335 nicht nur auf Blues oder Jazz beschränken. Der Ton ist sehr definiert und direkt, aber auch irgendwie dunkel und warm. Ich bilde mir ein, dass man bei ihr das Holz besonders gut hören kann. In Sachen Dynamik und unterschiedliches Ansprechen auf den Anschlag schlägt sie jede Solid-Body.

Im Laufe der Jahre habe ich die ES nach und nach ein wenig gepimt und so mein ganz persönliches Exemplar daraus gemacht. So habe ich die Grover Tuner gegen Kluson-Typen ausgetauscht, was auch eine leichter Veränderung der Ansprache mit sich brachte. Auch die Potiknöpfe tausche ich immer mal wieder aus. Zur Zeit sind die abgebildeten Reflektor Knobs montiert, sie sieht aber auch sehr schön Vintage-mäßig mit Amber Knobs aus. Zusätzlich habe ich ihr noch eine Brücke von ABM und ein Alu-Tailpiece verpasst. Die größte Änderung war aber der Komplettaustausch der Elektronik.

Statt der ab Werk eingebauten 57 Classic Humbucker, die mir zu dunkel waren und zu viel Output hatten, habe ich ein Set 59-Bucker Classics von LeoSounds eingebaut. Es handelt sich um nicht gewachste PAF-Typen mit niedrigem Output, very vintage also! Zusätzlich tauschte ich die ursprünglich eingebauten 300kOhm Volumenpotis gegen 500kOhm Typen aus und änderte außerdem die Verdrahtung auf das sogenannte 50s Wiring. Das Gesamtergebnis ist ein deutlich klarerer Ton, mit direkterer Ansprache, auch beim Runterregeln des Volumes.

Die ES-335 ist mein persönlicher Klassiker, auf den ich immer wieder gerne zurück komme. Sie ist außerdem die Konstante in meinem Arsenal und hat viele "Nebenbuhlerinnen" kommen und gehen sehen.

Gibson R8 Chambered Historic Collection Les Paul

Gibson Les Paul R8 Chambered Historic Collection

Ich habe diese Les Paul unter ca. 20 weiteren Custom Shop Les Pauls ausgesucht. Gut, ich habe nicht alle angespielt, ja manche noch nicht einmal in die Hand genommen weil die optisch einfach gar nicht mein Fall waren. Am Ende aber waren es fünf Gitarren, die in die engere Auswahl kamen und die ich trocken ausgiebig anspielte und näher inspizierte. Die zwei, die mir aus dieser Gruppe vom Ton und vom Spielgefühl am besten gefielen, testete ich dann auch mit verschiedenen Verstärkern. Es handelte sich um zwei R8, eine davon in der sogenannten "chambered" Ausführung, also eine hole Les Paul. Und genau die war es dann am Ende!

Es war klar, dass eine Gitarre aus dem Gibson Custom Shop qualitiv besser sein würde, als meine bisherige auch schon sehr gute Les Paul Classic "von der Stange". Dass der Unterschied sich dann aber als so groß herausstellte, war aber schon fast schockierend!

Die Tatsache, dass es sich um eine historisch komplett unkorrekte weil hohle Gitarre handelt, macht sie zu einer ungewohnt leichten Les Paul (leichter als meine Telecaster!) mit einer absolut unglaublichen Ansprache und Dynamik. Der Ton entwickelt sich auf eine so atemberaubende Weise, die einfach nur inspirierend ist und mir immer wieder die Sprache verschlägt. Mein Rat an alle Puristen: testet so eine chambered Les Paul, wenn ihr eine seht! Ich war zunächst auch eher skeptisch, aber im direkten Vergleich hat sie einfach alle anderen weggeblasen.

Ohne Zweifel ist dies die beste Gitarre, die ich je besessen habe!

Fender American Select Telecaster

Fender Select Telecaster

Im Laufe der Zeit habe ich schon viele Telecaster besessen, von Squier bis Tom Anderson in jeder Preisklasse, manche besser, manche weniger gut. Diese hier gehört definitiv zu den besten!

Und es war purer Zufall, dass ich auf dieses Instrument aufmerksam wurde. Ich suchte eigentlich schon seit Jahren eine typische Old-School-Telecaster, also in Butterscotch-Blonde mit schwarzem Pickguard. In Hamburg fand ich das vermeintliche Objekt der Begierde, machte aber den "Fehler", die Select Telecaster auch noch anzutesten. Es dauerte nicht lange und ich musste einsehen, dass dies vielmehr mein Instrument war.

Fender gibt an, dass der Korpus "honey-comb chambered" ist, also Hohlkammern besitzt, die sie zu einer Art Telecaster Thinline machen, nur ohne F-Loch. Man merkt es auch sofort am Ton und am Schwingungsverhalten, dass es sich nicht einfach um eine Solidbody handelt. Ansonsten ist der Korpus aus Esche mit einer Decke aus leicht geflammten Ahorn. Der Hals ist aus einem Stück Vogelaugenahorn gefertigt und das Griffbrett hat einen sogenannten Compound-Radius, der am Sattel 9,5" und am anderen Ende 12" beträgt, also in den oberen Lagen immer flacher wird. Dies kommt spürbar der Saitenlage und der allgemeinen Bespielbarkeit zu gute.

Die Telecaster klingt, wie eine gute Telecaster klingen muss, nur irgendwie feiner und detailreicher. Dem ein oder anderen wird vielleicht die Rauheit und der Dreck fehlen, den man schon mal bei einer Telecaster hört. Ich vermisse das nicht und finde, dass es sich mit ihr trotzdem herrlich abrocken lässt. Außerdem hatte ich noch nie eine so leicht zu spielende Gitarre aus dem Hause Fender in den Händen.

Fender Deluxe Ash Stratocaster

Fender American Deluxe Ash Stratocaster

Irgendjemand sagte mal, das größte Problem bei einer Stratocaster sei, dass sie immer nach Stratocaster klingt. Ich finde auch, dass diese Gitarre ihren Soundstempel extrem aufdrückt und dass es mit keiner anderen Gitarre schwieriger ist, einen eigenen, persönlichen Sound zu entwickeln. Das mögen viele anders sehen, aber wenn ich nach eigenständigeren Sounds suche, greife ich nicht zur Strat.

Allerdings ist genau dieser spezielle Sound immer wieder gut einsetzbar und ein sehr gutes Fundament, auf dem man perfekt mit Effekten experimentieren kann. Daher gehört eine Strat auch in jeden Gitarristenhaushalt!

Ich mochte schon immer die modernen Versionen der Fender Strat lieber, als die Vintagemodelle. Ebenso bevorzuge ich Palisandergriffbretter und Esche als Korpusholz. Da ich im Laufe der Zeit auch eher zufällig immer mehr zu Sunburstlackierungen griff, war diese Deluxe Ash Stratocaster eine ziemlich perfekte Ergänzung zu meinen anderen Gitarren.

Sie hat die viel diskutierten SCN Pickups, mit Samarium-Cobalt Magneten, die kein Brummen einfangen. Gerade in den Zwischenstellungen, also den beliebten Pickup-Kombinationen Hals/Mitte bzw. Mitte/Steg, klingt sie sehr gut. Die Einzelpositionen sind auch sehr gut, aber vor allem der Stegtonabnehmer alleine überzeugt mich nicht so richtig. Vielleicht wird hier nochmal der Lötkolben angesetzt ;)

Ansonsten ist es eine sehr gut klingende und spielbare Stratocaster, bei der ich das erste Mal auch ernsthaft mit dem Tremolo (Vibrato!) arbeite, einfach, weil es sich bei normalem Gebrauch nicht verstimmt. Wie weiter oben schon erwähnt, ist sie eine sehr gute Basis für Soundexperimente, die ich immer wieder gerne mache. Man kann eine ganze Menge Effekte drauflegen, ohne dass es zu schnell zumatscht.

Akustikgitarren

Eine Akustikgitarre zu spielen, kann manchmal ganz schön frustrierend sein. Jedenfalls wenn man nicht zuhause sitzt, sondern sich in einer Live-Situation befindet. Den vollen Sound einer guten Akustikgitarre kann man nicht ohne Probleme über eine PA übertragen. So sind alle Ansäze zu diesem Problem nur mehr oder weniger gelungene Kompromisse.

Rein akustisch im Wohnzimmer oder im Studio ist von Frust allerdings nichts mehr zu spüren. Der direkte Kontakt mit den Schwingungen des Instruments, die beim Spielen entstehen, ist eine völlig andere Erfahrung, als das Spielen auf einer elektrisch verstärkten Gitarre. Man bekommt eine gänzlich andere Beziehung zu seinem Instrument, wenn man jede noch so kleine Berührung hört! Tatsächlich handelt es sich für mich bei E-Gitarren und Akustikgitarren um zwei völlig verschiedene Instrumente, die zufällig eine ähnliche Spieltechnik erfordern.

Gibson Hummingbird

Gibson Hummingbird

Eine Gibson Akustik stand schon lange auf meiner Wunschliste ganz oben und diese Gitarre war eine der Gelegenheiten, die man einfach nicht vorbeiziehen lassen kann. Ich entdeckte sie als Second-Hand Gelegenheit durch den Eintrag eines meiner bevorzugten Gitarrenläden auf Facebook und bin am selben Abend zum Antesten hingefahren.

Zum Zeitpunkt meines Kaufs war die Hummingbird bereits neun Jahre alt und ist in dieser Zeit vom Vorbesitzer gut eingespielt worden. Vor allem aber war er offensichtlich sehr sorgsam mit ihr umgegangen, denn der Zustand der Gitarre war perfekt - ebenso wie der Klang. Beim ersten Antesten fühlte sich alles sehr gut und vor allem vertraut an.

Der Sound ist sehr stabil und ausgewogen. Auffällig ist, dass sie selbst bei hartem Strumming nicht übermäßig laut wird und der Klang sich nicht überschlägt oder unkontrollierbar wird. Bei leichtem Picking mit dem Plek kommt ein Sound hervor, den ich nur mit ur-amerikanisch bezeichnen kann, wie man ihn von so vielen Aufnahmen her kennt. Einfach ein gutes Mikro vor die Gitarre stellen und aufnehmen - fertig! Fingerpicking funktioniert auch sehr gut. Jedoch gibt es für solche Spielarten meiner Meinung nach geeignetere Gitarrenkonstruktionen. Solopassagen lassen sich mühelos spielen, was klar auf die geringere Saitenspannung und die sehr angenehme Saitenlage zurückzuführen ist. Auch hier profitiert man von dem perfekt ausbalancierten Klangspektrum. Es gibt keine zu schrillen Höhen und der Bassgehalt ist genau richtig.

Von vielen wird die Gibson Hummingbird als DIE akustische Gitarre für Rock- und Pop-Musik angesehen. Ob das wirklich stimmt, kann ich ehrlich gesagt nicht so genau beurteilen. Dazu fehlen mir einfach die notwendigen vielfältigen Vergleichsmöglichkeiten. Dass sie sich jedoch wirklich problemlos in das Frequenzspektrum einer Band intergriert, hat wohl vor allem mit der Gibson-typischen kürzeren Mensur zu tun. Der Sound ist dadurch etwas runder und mittiger, was im Bandgefüge von Vorteil sein kann. Der Korpus aus Mahagoni unterstützt diesen Charakter natürlich auch noch.

Live nehme ich die Hummingbird inzwischen mit einem aktiven LR Baggs M1 Schallloch-Pickup ab, da ich am Steg nichts ändern wollte, aus Angst, der Klang könnte darunter leiden. Der zunächst von mir verwendete Fishman Rare Earth Humbucker war auch sehr gut und gegen Störgeräusche ein wenig unempfindlicher, aber der LR Baggs hat einen authentischeren Akustikcharakter, jedenfalls bei dieser Gitarre. Ich bin sehr angenehm überrascht worden, wozu heute magnetische Tonabnehmer in einer Akustikgitarre fähig sind. Ein Experiment, dass ich mit bestem Gewissen weiterempfehlen kann!

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